Paula stand am großen Wohnzimmerfenster bei Oma und Opa. Sie hatte ihren Freund – die Stofftier-Giraffe Bruno – im Arm, und drückte ihre Nase ans Fenster. Den ganzen Tag hatte es schon geregnet und der Himmel sah immer noch ganz grau und traurig aus. „Manno, immer weiter Regen, Regen, Regen“, dachte sie. Wollte das denn gar nicht mehr aufhören?

Sie überlegte schon, ob sie Omas Wohnzimmerschrank mal wieder durchstöbern sollte. Da entdeckte sie immer wieder neue Dinge, wie alte Taschenlampen, Schmuck, Fächer, Brillengestelle oder Fotoapparate, die man untersuchen und ausprobieren konnte.

Doch dann bemerkte sie, dass langsam aber sicher immer weniger Tropfen vom Himmel fielen, bis dann endlich gar keine neuen Tropfen mehr kamen. „Juhuuu – es hört auf zu regnen, Bruno“, rief sie fröhlich. „Jaaaa und jetzt kommt endlich die schöne Sonne hinter den Wolken hervor geklettert.“ Sie war vor Freude ganz aus dem Häuschen und übermütig sagte sie: „Komm Bruno, wir überlegen, was wir heute Nachmittag alles draußen machen können. Wir können mit dem Fahrrad fahren, im Sandkasten spielen, zur der hohen Mauer in Oma und Opas Garten gehen oder wir springen einfach ein bisschen Trampolin.“

Oben am Himmel hinter den Wolken freute der kleine Regenbogen sich auch über das schöne Wetter. Er hatte ja nun auch lange genug darauf gewartet, dass sich die dunklen Regenwolken endlich fertig ausgeregnet hatten.

Und so machte er sich ganz aufgeregt bereit:

Erst streckte und reckte er sich. Dann machte er sich gaaaaaaaaaaaaanz lang. Und anschließend spannte er sich mit all seiner Kraft am Himmel auf.

„Wow, guck mal Bruno – wie schön“, sagte Paula entzückt zu ihrem Freund. „Da ist ein Regenbogen. Der ist gelb und grün und blau und rot. Das sieht soooo toll aus“. Bruno schaute zum Himmel und nickte begeistert. Er hatte noch nie einen Regenbogen gesehen.

Ganz stolz stand der kleine Regenbogen am Himmel, als er Paula und Bruno entdeckte. Er freute sich wie ein Honigkuchenpferd, dass er Paula und ihrem Freund so gut gefiel. Deshalb streckte und reckte er sich noch ein bisschen mehr, um noch größer und noch schöner zu werden.

„Der Regenbogen ist genau so schön wie der Sternenhimmel, den wir gestern Abend gesehen haben. Weißt Du noch, Bruno?“ Gestern Abend, da hatte es eine sternenklare Nacht gegeben.

Keine einzige Wolke hatte sich am Himmel gezeigt. Paula hatte den lieben Mond und sooooo viele Sterne gesehen, wie sie noch nie vorher gesehen hatte. „Weißt du noch Bruno, das waren soooooo viele Sterne, das kann man sich gar nicht vorstellen. Das war auch so wunderschön gewesen, so schön wie der Regenbogen jetzt!“

Da staunte der kleine schöne Regenbogen, denn er wusste nicht, wie der Sternenhimmel aussah, weil er ja nur tagsüber am Himmel stand. Und tagsüber konnte man keine Sterne sehen. Er fragte sich, wie die Sterne wohl aussahen. Zu gerne hätte er sie sich angeschaut. Er war auf einmal so neugierig.

Plötzlich hatte er eine Idee. „Ich möchte auch mal einen Sternenhimmel sehen! Ich bleibe heute einfach so lange wach, bis es dunkel wird. Und dann schaue ich mir ihn an“, nahm er sich entschlossen vor.

Als es dämmerte und anfing dunkel zu werden, hielt der Regenbogen Ausschau nach dem Sternenhimmel. Doch auf einmal musste er gähnen.

Dann rieb er sich die Augen und gähnte schon wieder. Er fragte sich, was auf einmal mit ihm los war.

Und als er noch überlegte, warum er so gähnen musste, fiel ihm erst das linke und dann auch das rechte Auge zu…

Und dann schlief er ein…

Er schlief schon tief und fest bevor es ganz dunkel wurde und der schöne Sternenhimmel wieder zu sehen war.

Paula hatte schon ihren Schlafanzug an und war bereit für die Übernachtung bei Oma und Opa. Sie hatte fertig zu Abend gegessen und die Zähne waren geputzt. Kurz bevor sie die Rollladen herunter ließ stand sie jetzt wieder mit Bruno im Arm am Fenster und betrachtete erneut den schönen Sternenhimmel.

„Oh, guck mal Bruno, da ist wieder der wunderbare Sternenhimmel zu sehen“. „Das sieht wieder soooo schön aus. So wie der Regenbogen, den wir heute morgen gesehen haben“, stimmte Bruno ihr zu und kuschelte sich an sie.

Dann gingen die beiden ins Bett und schliefen zufrieden Arm in Arm ein.

Staunend hatten die Sterne am Himmel die Unterhaltung von Paula und Bruno mit angehört. Sie hatten noch nie einen Regenbogen gesehen, weil sie ja nur nachts am Himmel zu sehen waren. Und nachts konnte man keine Regenbögen sehen. Sie waren mit einem Male so neugierig und fragten sich, wie wohl ein Regenbogen aussah.

Plötzlich fassten sie einen Plan: „Wir wollen auch mal einen Regenbogen sehen! Wir bleiben morgen früh einfach so lange wach, bis der Regenbogen an den Himmel klettert.“ Und dann riefen sie begeistert: „Das wird ein tolles Abenteuer. Wir sind soooo aufgeregt.“

Als es zum Morgen dämmerte und es langsam heller wurde, rieben sich die Sterne die Augen. Sie waren müde, denn sie hatten ja die ganze Nacht am Himmel gestanden. Aber sie wollten doch unbedingt wach bleiben, um den Regenbogen zu sehen. Sie freuten sich, da es ein bisschen regnete. Denn sie hatten gehört, dass ein Regenbogen nur dann am Himmel erscheinen konnte, wenn es einen Regenschauer gegeben hatte.

Aber dann mussten sie gaaaaaaaanz lange gähnen und sie wurden immer müder und müder. Dann fielen ihnen erst die linken und dann die rechten Augen zu.

Und dann schliefen sie ein…

Die Sterne schliefen auch, als es am Morgen aufhörte zu regnen. Sie merkten auch nichts davon, dass der Regenbogen geweckt wurde.

Er wachte auf, weil die letzten Regentropfen auf seiner Nase tanzten und die Sonne ihn mit ihren Strahlen kitzelte, als sie hinter den Wolken hervor kletterte.

Traurig merkte der Regenbogen, dass er eingeschlafen war, bevor er die Sterne gesehen hatte. „Ich werde es bestimmt nie schaffen, die Sterne zu sehen, weil ich abends immer so müde bin“, dachte er und schaute bedrückt auf die Erde hinab.

Auch Paula und Bruno wachten jetzt auf. Paula hatte wunderbar geschlafen und tolle Träume gehabt. Nach dem Frühstück sagte sie aufgeregt und voller Tatendrang: „Ich

habe eine Idee! Bruno, weißt du, was wir heute morgen machen?“. Bruno schüttelte den Kopf und antwortete: „Nein, ich habe keine Ahnung, was hast du denn vor?“

„Ich habe Lust ein ganz außergewöhnliches Bild zu malen!“, sagte sie geheimnisvoll.

„Was malen wir denn?“, fragte Bruno. „Lass dich überraschen!“, rief Paula und holte ihre Wasserfarben, Stifte und Papier. „Ich brauche rot und gelb und grün und blau und dunkel blau und noch mehr gelb…“. Und dann legte sie los.

Bruno schaute gespannt. Was würde Paula wohl malen…?

Erst malte Paula die linke Seite des Bildes hellblau und die rechte Seite dunkelblau an. „Hmmm, was das wohl werden wird?“ überlegte Bruno.

Es verging einige Zeit, bis Paula ihr Werk vollendet hatte. Dann legte sie es hin und betrachtete es mit zufriedenem Blick.

„Oh, das ist aber schön!“, staunte Bruno, als er das Kunstwerk erkannte.

Auf der linken Seite hatte Paula auf den hellblauen Himmel mit rot und gelb und grün und blau einen wunderschönen Regenbogen gemalt. Und auf der rechten Seite hatte sie auf den dunkelblauen Himmel viele gelbe Sterne und den großen gelben Mond gemalt.

„Guck mal Bruno, jetzt haben wir ein Bild, auf dem wir beides gleichzeitig anschauen können. Auf der linken Seite ist der schöne Regenbogen und auf der rechten Seite ist der schöne Sternenhimmel zu sehen.“, sagte Paula stolz.

Zum Trocknen legte sie das Bild auf die Fensterbank und ging fröhlich und hungrig mit Bruno zum Frühstück.

Der Regenbogen hatte sich etwas erholt und rieb sich die Augen. Er reckte und streckte sich. Dann spannte er sich wieder am Himmel auf. Plötzlich sah er das schöne Bild von Paula auf der Fensterbank liegen. „Oohhh, das ist aber ein schönes Bild von mir. Doch was ist das auf der rechten Seite?“ Er schaute genauer und dachte nach: „Was kann das sein?“

Dann hüpfte er aufgeregt auf und ab. „Das muss der Sternenhimmel sein. Oh wie schööön das ist!!! Ich freu mich so. Endlich weiß ich genau, wie schön ein Sternenhimmel aussieht – HURRA!“ Er war so glücklich, dass er den ganzen Tag mit einem breiten Grinsen am Himmel stand.

Als die Sterne am Abend wieder an den Himmel kletterten, schauten sie auch bei Paula ins Fenster hinein und freuten sich über das schöne Bild, das Paula von ihnen gemalt hatte.

Aber dann fragten sie sich staunend: „Was ist denn das auf der linken Seite auf dem Bild? So was haben wir ja noch nie gesehen. Hm, wir müssen mal nachdenken, was das sein kann.“

Und dann fiel es ihnen wie Sternschnuppen von den Augen und sie hüpften aufgeregt auf und ab. „Das muss der Regenbogen sein. Oh, wie schööön das ist. Da freuen wir uns aber. Endlich wissen wir, wie schön der Regenbogen aussieht – HURRA!“

Paula und Bruno waren stolz und glücklich, weil das Bild sooo schön geworden war. Sie suchten sich einen ganz besonders schönen Platz im Zimmer aus und hängten das Bild in der Nähe des Fensters auf.

So konnten sowohl Paula und Bruno als auch der Regenbogen und die Sterne jeden Tag und jeden Abend und jeden Morgen ihr gemeinsames Kunstwerk bewundern.

© Silke Siewert, 2012. Alle Rechte vorbehalten.


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