Freddy Sandkorn reckte seinen Hals und sah sich die vielen hohen Berge an. Er war ein waschechtes Sandkorn wohnte auf einem Spielplatz in einem Sandkasten in Österreich. Und Österreich war ein Land und lag mitten in den Alpen. Und die Alpen waren ein großes Gebirge mit vielen Bergen.

Ein bisschen kalt war es noch, weil es erst März war und der Frühling noch ein wenig auf sich warten ließ. Vor allen Dingen lag ja auch auf den Bergen noch richtig viel Schnee, so dass noch viele Urlauber zum Skifahren da waren.

Eigentlich fühlte Freddy sich ja pudelwohl in seinem Sandkasten auf dem Spielplatz in Österreich. Links und Rechts lagen Förmchen, Eimer, Schaufeln und Siebe und natürlich gab es da noch jeeeeeede Menge andere Sandkörner. Aber irgendwie war er auch unruhig und wollte etwas von der Welt sehen und Abenteuer erleben.

Heute Morgen hatte Freddy etwas Eigenartiges gehört. Da waren zwei Kinder auf dem Spielplatz gewesen und hatten um die Wette geschaukelt. Fast bis in den Himmel waren sie geschaukelt.

Und die zwei Kinder hatten sich darüber unterhalten, dass sie im Sommer am Meer und am Strand Urlaub machen würden. Mit dem Flugzeug wollten sie dahin fliegen. Sie hatten erzählt, dass da im Meer sooooo viel Wasser wäre – so viel, dass man es sich nicht vorstellen könnte. Bis an den Himmel würde das Wasser reichen… Und vor dem Meer, da wäre sooooo viel Sand – so viel dass man es sich nicht vorstellen könnte. „Viel mehr als in dem kleinen Sandkasten da“, hatten die Kinder gesagt – „100mal so viel – bestimmt…“.

„Das kann doch gar nicht sein“, dachte Freddy. „So viel Sand gibt’s doch gar nicht“.

Da hörte Freddy ein Mädchen, das mit Mama und Papa am Spielplatz vorbei kam. „Oh Mama, kann ich da auf der Schaukel schaukeln?“ „Ja klar Paula“, sagten Mama und Papa. Als Paula auch fast bis in den Himmel geschaukelt war, lief sie zum Sandkasten und begann direkt eine Sandburg zu bauen.

Als die Sandburg fertig gebaut war, wurde Paula von ihren Eltern gerufen, weil sie gehen wollten. „Och männo – jetzt habe ich schon wieder so viel Sand im Schuh – den muss ich noch schnell ausleeren“, dachte Paula.

Da fasste Freddy allen Mut und fragte Paula: „He Paula, warst du schon mal am Meer und hast du schon mal den Sandstrand gesehen?“ Erst glaubte Paula, sie hätte sich verhört. „Hä? Wer redet denn da mit mir?“ „Huhu – ich bin’s, hier unten. Ich bin Freddy Sandkorn, du kannst aber Freddy zu mir sagen“, rief Freddy. Paula schaute genau hin, und da erkannte sie, dass da tatsächlich ein kleines Sandkorn mit ihr sprach. „Hallo Freddy Sandkorn, ja klar, im Sommer war ich mit Mama und Papa auf Mallorca. Das ist eine Insel mitten im Meer. Da gibt es soviel Sand und Wasser, wie du Dir bestimmt nicht vorstellen kannst, liebes Sandkorn“, schwärmte Paula. „Oh – da würde ich gerne mal hin – das muss ja toll sein“, träumte Freddy.

„Ja hör mal – im Sommer mache ich mit Mama und Papa wieder Urlaub auf Mallorca – komm doch einfach mit! Dann können wir zusammen mit dem Flugzeug fliegen – das wird ein Abenteuer und ein toller Spaß!“

„Echt? Würdest du mich mitnehmen? Ich bin noch nie geflogen – ehrlich!“

„Ja klar nehme ich dich mit – ich überlege nur, wie wir das machen… hm“ dachte Paula. „Ah ich hab ́s! Komm, spring hier in meinen Schuh! Aber setz dich ganz an die Seite, damit ich nicht auf dich trete! Oder, am besten rutschst du ganz bis nach vorne durch, da bist du sicher, auch wenn Mama den Schuh wieder mal ausleeren möchte und ich es nicht verhindern kann. Aber du musst dich trotzdem gut festhalten!“ „Oh – das ist eine super Idee“, rief Freddy. „Ich freu mich so!!! Ich fahre ans Meer. Ich fahre ans Meer…“

Paula zog also ihren Schuh aus, Freddy verabschiedete sich von seinen Freunden aus dem Sandkasten und schwubs, hüpfte er mit einem riesen Satz in den Schuh von Paula und machte es sich vorne vor ihren Zehen gemütlich.

Den Rest vom Skiurlaub zog Paula diese Schuhe natürlich nicht mehr an. Sie mussten sogar neben ihrem Bett schlafen.

Als der Skiurlaub beendet war und sie wieder zurück nach Hause fuhren, schaute Paula immer und immer wieder nach dem Schuh und fragte Freddy, ob es ihm gut ging.

Daheim in Flamersheim angekommen, zeigte Paula Freddy ihren Sandkasten, der unter dem großen Abenteuer-Kletterturm im Garten stand. „Hier bist du gut aufgehoben, bis wir im Sommer in Urlaub fahren“, sagte Paula. „Hier sind ja auch viele liebe andere Sandkörner, mit denen wirst du dich sicher gut verstehen. Und ich komme jeden Tag vorbei, und spiele mit dir, ok?“

„Ja, super Idee“, sagte Freddy und hüpfte in den Sandkasten.

So verging der Frühling und Freddy lebte sich gut ein. Und er fühlte sich bei den Flamersheimer Sandkörnern pudelwohl. Einmal hüpfte er sogar nochmal in „seinen“ Schuh und Paula nahm ihn mit in den Kindergarten und zeigte ihm den rieeeeesigen Sandkasten dort.

Freddy verbrachte wirklich eine sehr schöne Zeit in Flamersheim, aber er sehnte sich doch immer noch sehr nach dem Meer.

Dann endlich kam Paula eines Tages ganz aufgeregt zum Sandkasten gelaufen und rief – „Freddy, Freddy – morgen geht’s los – wir fliegen nach Mallorca!!!!“

„Jetzt muss mich mir noch schnell überlegen, wie ich dich sicher mit auf die Reise nehmen kann. Die Schuhe aus dem Skiurlaub kann ich nicht mitnehmen, denn das sind keine Sommerschuhe. Im Urlaub ziehe ich ja nur Sandalen und Flipflops an… hm… ah – ich nehme doch meine schönen Ballerinas mit. Die sind vorne geschlossen. Ich ziehe die dann morgen auf dem Flug an, dann bist du in Sicherheit.“ Freddy war ganz aufgeregt und verabschiedete sich schnell von den lieben Flamersheimer Sandkörnern.

Als Paula mit den schönen Ballerinas kam, war Freddy ganz gerührt: „In sooo schönen Schuhen darf ich reisen? Mensch Paula, ich danke dir!!!“

Und dann ging es endlich los. Nachdem Freddy in die Ballerinas gehüpft war, zog Paula die Schuhe vorsichtig an und hielt ihre Zehen während der Fahrt zum Flughafen ganz ruhig. Auch im Flughafen ging sie ganz vorsichtig und war sehr froh, dass sie bei der Sicherheitskontrolle die Schuhe anbehalten und dann endlich ins Flugzeug einsteigen durfte. Während des Fluges zog Paula die Schuhe auch lieber nicht aus. Sie wollte nichts riskieren. Nicht, dass Freddy so kurz vorm Ziel noch verloren ging – das wäre ja schrecklich.

Als sie endlich am Flughafen auf Mallorca landeten und auf ihre Koffer warteten, traute Paula sich endlich, ihre Schuhe auszuziehen und nach Freddy zu schauen. „Und – wie geht’s dir?“, fragte sie. „Mir geht’s großartig“, sagte Freddy. Denn er hatte ein schönes Schläfchen gemacht und vom weiten Meer und dem riesigen Sandstrand geträumt.

Dann waren die Koffer endlich da und wurden schnell in den Leihwagen eingeladen. Und dann ging’s los zum Hotel. Paula rutsche vor lauter Vorfreude ganz ungeduldig auf ihrem Sitzkissen hin und her und auch Freddy hüpfte in den Schuhen aufgeregt auf und ab. He Freddy, hör auf, das kitzelt“, rief Paula lachend!

Nach einer Stunde kamen sie endlich am Hotel an und Paula lief direkt los zum Strand.

Dort angekommen zog sie langsam die Ballerinas aus und stellte sie vorsichtig auf dem Sandstrand ab. „Freddy, du kannst raus kommen, wir sind da!“ Freddy traute seinen Augen nicht, als er aus dem Schuh hervorlugte. „Das gibt es ja gar nicht. Wie schön, wie schön! Schau mal Paula, wie viel Sand hier ist. Und das ganze Wasser, und die schöne Sonne… Das ist ja Wahnsinn!“

„Das hatte ich dir doch versprochen, lieber Freddy“, sagte Paula. Ich freue mich so, dass ich dich hier her bringen konnte und es dir so gut gefällt. Jetzt leb ́ dich hier erst mal ein und heute Abend komme ich mit Papa nach der Kinderdisco wieder und dann bauen wir eine schöne Sandburg, in der du wunderbar schlafen kannst, ok?“

Abends wurde dann die versprochene Sandburg gebaut. Freddy bekam einen gemütlichen Platz mit hervorragender Aussicht ganz oben auf einem Burgturm und war hoch zufrieden. Papa holte die Kamera und machte noch ein schönes Erinnerungsfoto von Paula und ihrem Kunstwerk. Auch Freddy winkte fröhlich.

Dann verabschiedete Paula sich von ihrem kleinen Freund. „So Freddy, ich bin müde von unserer aufregenden Reise und der Kinderdisco und unserem Burgenbau. Ich werde jetzt schlafen gehen. Gute Nacht und schlaf schön!“

„Gute Nacht liebe Paula. Du bist ein echt guter Freund!“

Als es ganz dunkel wurde, schaute Freddy sich ganz fasziniert die vielen tausend Sterne an, hörte dem Meeresrauschen zu und schlief dann erschöpft, aber überglücklich in seinem neuen Zuhause ein.

© Silke Siewert, 2013. Alle Rechte vorbehalten.